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Wildes Wiederholen im Archiv der DDR-Opposition: Urangestein als beunruhigende Materie in „Sonne Unter Tage“ (2022) - Ulrike Gerhardt

Ulrike Gerhardt
22.05.2024
Archives of the Body - The Body in Archiving(SoSe 24)

Der Artikel „Strahlen aus dem Archiv der DDR-Opposition: Beunruhigende Materie in Sonne Unter Tage (2022)“ analysiert den Film Sonne Unter Tage von Mareike Bernien und Alex Gerbaulet und fragt, auf welche Weise die Hinterlassenschaften des fossilen Sozialismus und der atomaren Ära hier ins Bild gesetzt werden. Die Arbeit ist das Resultat einer künstlerischen Recherche zum Thema Uranabbau im Erzgebirge u.a. im Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft, im Archiv Bürgerbewegung Leipzig, im Museum Uranbergbau Bad Schlema und im Schaubergwerk Ronneburg. Die verwundete Landschaft, die durch das Bergbauunternehmen Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut ab 1946 über Jahrzehnte hinweg geformt wurde, tritt als eine anthropozäne und materiell-diskursive Konfiguration hervor, in die sogenannte „Immanations-Bilder” eingeflochten sind (Monnet 2022), welche das Element Uran, seinen Abbau und radioaktiven Zerfall aus neumaterialistischer und spektraler Perspektive vorführen: „[…] aus der aufgerissenen Erde strahlt ein uraltes Gestein“, wird der Film vorgestellt. In Berniens und Gerbaulets filmischer Arbeit wird den Beziehungen von Körper und Landschaft, Visualität und Extraktion wie auch Reinheit und Kontamination besondere Aufmerksamkeit gewidmet – nicht zuletzt angesichts des allmählichen Unlesbarwerdens der umweltaktivistischen Materialien des ‚Ostens‘ sowie der physischen und symbolischen Topografien der ehemaligen DDR.

Ulrike Gerhardt ist eine Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, die aus postsozialistischer und erinnerungstheoretischer Perspektive zur Transformationsgeschichte, beunruhigenden Materialitäten und digitalen Bildpraktiken nach 1989/1991 forscht und publiziert. Ab Frühjahr 2024 arbeitet sie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Kunst und visuelle Kultur im BMBF-Verbundprojekt DigiProSMK. Gemeinsam mit Suza Husse ist sie Co-Leiterin der nomadischen Videokunstplattform D’EST und realisierte 2023 den Zyklus Postsozialismus als Methode. Anti-Geografien kollektiver Begehren u.a. mit den Teilnehmenden krëlex zentre, Fehras Publishing Practices und Nhà Sàn Collective. 2024 wird ihre Dissertation zum ostfuturistischen Erinnern in postsozialistischer Videokunst veröffentlicht (Berlin: De Gruyter).

Moderation: Anika Bartens, Künstlerin, Promovendin an der HFBK Hamburg

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